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Praxisbeispiel Landkreis Oder-Spree

Themenseite "Digitale Produktformate"

Bildungsdaten als kommunaler Service: Wie der Landkreis Oder-Spree mit einem digitalen Bildungsportal Planung und Steuerung stärkt

Der Landkreis als Datendienstleister für seine Gemeinden

Während große Städte und Landkreise oftmals eigene Organisationseinheiten für Datenanalyse und datenbasierte Bildungssteuerung unterhalten, stehen kleinere Gemeinden in Flächenlandkreisen vor simplen, aber entscheidenden Fragen: Wie gelangen sie an eine valide Datengrundlage für ihre Bildungsplanung? Und wie lässt sich diese so aufbereiten, dass sie im administrativen Alltag einen echten Mehrwert stiftet? Der Landkreis Oder-Spree beantwortet diese Fragen mit einem innovativen Ansatz: Er entwickelt nicht nur ein Portal für die eigene Verwaltung, sondern versteht sich zugleich als zentraler Datendienstleister für seine 17 kreisangehörigen Kommunen. Das Ergebnis ist ein ArcGIS-basiertes Dashboard, das kleinräumige, interaktive Daten entlang der gesamten Bildungsbiografie zugänglich macht: von der frühkindlichen bis zur beruflichen Bildung.

Geoinformationssystem-Software ArcGIS

ArcGIS ist ein Softwareprodukt des Softwareherstellers ESRI, das es ermöglicht, geografische Informationen mit statistischen Daten zu verknüpfen und in interaktiven Karten oder Dashboards darzustellen.

Federführend beteiligt war Jana Kupetz, Bildungsmonitorerin des Landkreises, die maßgeblich an der Konzeption und Umsetzung des Portals mitwirkte und heute für die Pflege und Aktualisierung der Daten verantwortlich ist. Im Gespräch mit der KOSMO erklärt sie, wie es dazu kam, was das Portal leistet und warum es mehr ist als „nur“ eine Webseite mit Zahlen.

Steckbrief // Landkreis Oder-Spree, Brandenburg

Digitales Produkt

Bildungsportal Landkreis Oder-Spree (ArcGIS Online-basierende Karten und Dashboards)

Bereitstellung

öffentlich über die Geoinformationssystem-Software ArcGIS

Interviewpartnerin

Jana Kupetz, Bildungsmonitorerin

Organisation

Aufgabengebiet Sozialplanung und Controlling, Kommunales Bildungsmanagement: 2 Personen (Bildungsmanagerin, Bildungsmonitorerin) plus Unterstützung durch eine weitere Person aus der Armutsprävention

Handlungsempfehlungen

Die eigene Rolle strategisch definieren: Kommunen sollten klären, ob sie mit ihrem digitalen Instrument primär als interner Dienstleister agieren oder proaktiv die Informations- und Entscheidungsgrundlagen von Politik, Gemeinden und Öffentlichkeit stärken wollen. Diese strategische Entscheidung beeinflusst die Priorisierung, die Datentiefe und die Zielgruppenansprache maßgeblich.

Relevante Akteure frühzeitig einbinden: Um die Akzeptanz für das digitale Produkt zu steigern, sollten die relevanten Akteure von Beginn an in die Planung einbezogen werden. Die erhofften Mehrwerte und Wirkungen, aber auch der zu erwartende Aufwand sollten hierbei nachvollziehbar und transparent dargestellt werden.

Das Datenfundament von Beginn an mitdenken: Der Erfolg eines größer angelegten Analyseportals hängt von der Qualität und Struktur der zugrundeliegenden Daten ab. Der Aufbau einer validen, gepflegten Datenbasis (das „Backend“) darf bei der Planung nicht vernachlässigt werden und sollte parallel zum Visualisierungs-Tool (dem „Frontend“) von Anfang an mitberücksichtigt werden.

Schrittweise aufbauen, aber das Ziel im Blick behalten: Es ist sinnvoll, mit einem klar umrissenen Datenbereich zu starten, die strategische Weiterentwicklung und Ausweitung des Produkts jedoch von Anfang an mitzudenken.

Fokus auf das Wesentliche: Um schnell echten Mehrwert zu schaffen, kann es sinnvoll sein, bewusst auf aufwendige visuelle Inszenierung zu verzichten. Ein klar strukturiertes, funktionales und direkt nutzbares Produkt überzeugt oft stärker als eine auf Hochglanz getrimmte Lösung.

Strategisch outsourcen: Wenn technisch anspruchsvolle Projekte die verwaltungsinternen Kapazitäten übersteigen, kann eine externe Vergabe gezielt helfen, die Prozessgeschwindigkeit zu steigern und die Qualität auf technischer Ebene zu sichern.

Ressourcen für Kompetenzaufbau und langfristige Pflege einplanen: Für den Aufbau und die Pflege digitaler Produkte sollten (auch auf lange Sicht) ausreichende personelle, zeitliche und finanzielle Kapazitäten zur Verfügung stehen. Dazu gehört kurzfristiger Kompetenzaufbau ebenso wie fortlaufende Schulungen, die über einen längeren Zeitraum hinweg kontinuierlich angeboten werden.

Raus aus der analogen Sackgasse: Ein Bildungsportal bricht den Datenstau auf.

Die tägliche Aufgabenflut bewältigen und gleichzeitig strategische Zukunftsaufgaben gestalten – diese Herausforderung traf im Landkreis Oder-Spree auf knappe personelle Ressourcen und steigende Anforderungen an die kommunale Steuerung. Etablierte, aber zunehmend zeitraubende analoge Prozesse, geprägt von manueller Datensammlung und Medienbrüchen, verschärften die Situation zusätzlich. Jana Kupetz bringt es auf den Punkt: „Datenaufbereitung und -analyse benötigen viel Zeit. Die Digitalisierung von Prozessen kann helfen, unsere Aufgaben trotz knapper Ressourcen gut zu erfüllen.“ Dieser Wunsch nach mehr Effizienz  wurde zum entscheidenden Impuls für eine größer angelegte Digitalisierungsstrategie des Landkreises.

Ein zentraler Engpass in diesem Ringen um Effizienz kristallisierte sich schnell heraus: das datenintensive Bildungsmonitoring und die kommunale Bildungsberichterstattung. Zeitaufwändige Formate wie das statistische Jahrbuch oder umfangreiche, papierbasierte Verwaltungsprofile für die 17 kreisangehörigen Gemeinden banden enorme personelle Ressourcen. „Das waren für die Gemeinden, je nachdem wie viele Schulen sie haben, zwischen 40 und 100 Seiten nur mit Zahlen und Diagrammen – ein Riesenaufwand“, beschreibt Kupetz den Kern des Problems. Die Konsequenzen dieses zeitintensiven Prozesses waren unter anderem, dass angefragte Auswertungen mit Wartezeiten verbunden waren und dadurch teilweise nicht rechtzeitig vorlagen.

Um die Datenbereitstellung grundlegend zu beschleunigen und von manuellen Arbeitsschritten zu entlasten, wurde ein zentraler Baustein der Digitalisierungsstrategie entwickelt: das neue, öffentlich zugängliche Bildungsportal des Landkreises Oder-Spree.

Als digitale Schnittstelle bündelt es die vorhandenen Datenbestände, bereitet sie interaktiv auf und verfolgt dabei klare strategische Ziele: Verwaltungsprozesse zu verschlanken, die Qualität der Planungsgrundlagen fundamental zu verbessern und eine neue Ebene der Transparenz zu schaffen. Das Portal, so Kupetz, soll „Entscheidungsprozesse unterstützen, weg vom Bauchgefühl, hin zu einem datenbasierten kommunalen Bildungsmanagement.“

Fünf Kacheln für ein ganzes Leben: Das Bildungsportal als interaktives Analysewerkzeug.

Doch das Portal ist weit mehr als eine reine Datensammlung; es ist ein strategisches Steuerungsinstrument, dessen konzeptioneller Ansatz in der Abbildung von Indikatoren entlang wichtiger Phasen des lebensbegleitenden Lernens liegt. Technisch auf ArcGIS Online basierend, führt das Portal die Nutzenden über eine klare Kachel-Navigation zu Karten, Daten und Analysen aus den Bereichen der frühkindlichen, schulischen und beruflichen Bildung. Diese Phasen werden durch einen vierten Bereich zu den übergreifenden „Rahmenbedingungen“ des kommunalen Bildungsgeschehens ergänzt und kontextualisiert. Diese Struktur ermöglicht einen ganzheitlichen Blick auf das kommunale Bildungsgeschehen, indem die Phasen des Lebenslaufs und die sie beeinflussenden Kontextfaktoren vereint dargestellt werden.

Hinter den Kacheln öffnen sich interaktive Dashboards, die Daten zum Leben erwecken. Nutzende können hier nicht nur statische Kennzahlen wie Schüler*innenzahlen, Übergangsquoten oder die Verteilung von Kitaplätzen einsehen, sondern diese auch flexibel für ihre spezifischen Fragestellungen anpassen. Dynamische Filter erlauben die Auswahl nach Jahren oder einzelnen Verwaltungseinheiten. So kann beispielsweise eine Bürgermeisterin die Auslastung der Kita-Einrichtungen direkt mit denen der benachbarten Städte, Ämter und amtsfreien Gemeinden vergleichen. Interaktive Karten visualisieren die Standorte von Schulen oder Kitas, während eine integrierte Download-Funktion den Export der Rohdaten für eigene, weiterführende Analysen ermöglicht, ohne dass diese erst manuell angefragt werden müssen.

Vom Datenlieferanten zum Dienstleister für kreisangehörige Gemeinden: Das neue Bildungsportal stärkt die Steuerungskompetenz der lokalen Ebene.

Der entscheidende Mehrwert dieser neuen Struktur liegt im Open Data-Ansatz, der sich vor allem im Verhältnis zu den 17 kreisangehörigen Ämtern, Städten und amtsfreien Gemeinden zeigt. Statt wie viele vergleichbare Kreise primär als interner Datenlieferant – also für Zielgruppen innerhalb der eigenen Kreisverwaltung – zu agieren, stärkt der Landkreis mit seinem Bildungsportal gezielt die Planungs- und Steuerungskapazitäten der lokalen Ebene. Politische Entscheidungsträger*innen, Ausschussmitglieder und Fachkräfte in den Gemeindeverwaltungen erhalten durch das Angebot einen direkten und unkomplizierten Zugriff auf einheitliche Daten, Karten und Analysen. Dies schafft eine verlässliche Arbeitsgrundlage und ermöglicht es, Debatten datengestützt statt auf Basis von Mutmaßungen zu führen. „Viele wussten bislang gar nicht, dass es diese Daten gibt“, betont Kupetz. „Jetzt sehen sie sie quasi auf einen Blick.“

Diese Neuausrichtung wird durch die konsequente Ausrichtung auf „Self-Service“ möglich. Wo früher eine formelle Anfrage an das Bildungsbüro gestellt und die Antwort abgewartet werden musste, können Nutzende die Bedarfe nun eigenständig und sekundenschnell decken. „Früher habe ich teilweise ein halbes Jahr gebraucht, um für einen Bereich die Berichte zu erstellen. Heute können die Kommunen in unserem Kreis die Daten einfach selbst abrufen“, fasst Kupetz den Wandel zusammen. Der interne Nutzen dieser Umstellung ist unmittelbar spürbar, denn die resultierende Zeitersparnis ist enorm: Sie ermöglicht den Mitarbeitenden eine effizientere Gestaltung ihrer Arbeit und, was strategisch noch wichtiger ist, einen stärkeren Fokus auf die eigentliche inhaltliche Analyse statt auf die reine Datenaufbereitung.

Dashboard statt Jahrbuch: Wie der Landkreis Oder-Spree die Entwicklung des Bildungsportals angegangen ist.

Mit Förderprogramm, Arbeitsgruppe und klarer Strategie zum erfolgreichen Start

Die Idee für das Portal entstand bereits 2019 aus der alltäglichen Notwendigkeit heraus, Daten für Anfragen aus Verwaltung und Politik mühsam aus verstreuten Excel-Listen und Fachverfahren zusammenzutragen. Mit dem Bundesprogramm „Bildungskommunen“, durch das der Landkreis Oder-Spree seit 2022 gefördert wird, waren schließlich die finanziellen und strukturellen Voraussetzungen für die Realisierung geschaffen. Nach einer intensiven Bestandsaufnahme, bei der man sich von anderen Kommunen inspirieren ließ, aber auch bewusst eigene Schwerpunkte setzte, fiel die technische Wahl aus Kosten- und Kompatibilitätsgründen auf ArcGIS Online, da bereits eine umfassende Lizenz im Katasteramt vorhanden war.

Nach der Projektbewilligung wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, die alle relevanten Akteure an einen Tisch brachte: IT, Katasteramt, Projektverantwortliche für ArcGIS und KomBi (das interne Datenmanagementsystem) sowie die Web-Administration. Diese frühe Vernetzung war essenziell, um technische, rechtliche und inhaltliche Silos aufzubrechen. „Wir konnten die Umsetzung tatsächlich nur stemmen, weil wir frühzeitig eine Arbeitsgruppe mit allen Beteiligten gebildet haben. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, Zweifel aus dem Weg zu räumen und alle fachlichen Aspekte wie den inhaltlichen Aufbau, die Barrierefreiheit und die Einbindung auf die Homepage des Landkreises zu realisieren." erinnert sich Jana Kupetz.

Strategisches Outsourcing als Instrument zur Beschleunigung und Qualitätssicherung.

Von Beginn an folgte die Umsetzung einer klaren Linie: Statt auf einen langen, internen Kompetenzaufbau mit unsicherem Ausgang zu setzen, entschied sich der Landkreis bewusst für Geschwindigkeit und Qualität durch strategisches Outsourcing. Ein externer Dienstleister wurde für den Aufbau des technischen Grundgerüsts hinzugezogen, wobei die Vergabestelle frühzeitig eingebunden wurde, um den Prozess rechtssicher zu gestalten. Dies war eine pragmatische Abwägung, um schnell einen sichtbaren Mehrwert für Bürger*innen und Politik zu liefern. Später komplettierten Öffentlichkeitsarbeit und Pressestelle das Team, um das Portal erfolgreich bekannt zu machen und die Akzeptanz der Nutzenden zu sichern.

Mit strategischem Weitblick schrittweise zum Gesamtbild.

Richtungsweisend für die schnelle Umsetzung war die strategische Vision eines umfassenden, lebenslauforientierten Grundgerüsts. Obwohl zu Beginn nur Daten aus dem Bereich der frühkindlichen Bildung integriert wurden, wurde das „große Ganze“ von Anfang an mitgedacht. „Man darf bei einem solchen Vorhaben nicht nur ganz klein anfangen, sonst kommt man nie zu den weiteren Bereichen. Wir wollten gleich das Grundgerüst für frühkindliche, schulische, berufliche und non-formale Bildung legen“, so Kupetz. Dank dieser klaren Ausrichtung und der bereits vorhandenen Datenbestände aus dem Bildungsmonitoring konnte die technische Umsetzung in weniger als vier Monaten erfolgen.

Auf die Fertigstellung folgte jedoch bewusst keine sofortige Veröffentlichung. „Wir hatten dann bis zur Bildungskonferenz rund ein Jahr Zeit, um alles zu prüfen. So eine Art Pilotphase, bevor es dann in die Öffentlichkeit ging. Und es waren auch reichlich Fehler drin“, erinnert sich Kupetz. Nach dieser internen Testphase wurde das Portal im November 2024 auf der regionalen Bildungskonferenz offiziell gestartet. Seither wird es jährlich aktualisiert und schrittweise erweitert: Noch im selben Jahr kamen Bausteine der schulischen Bildung hinzu, 2025 folgte die berufliche Bildung. Perspektivisch wird das Angebot um non-formale Bildung und Weiterbildung ergänzt, um die gesamte Bildungsbiografie konsistent abzubilden.

Ein reduziertes Design legt den Fokus auf Verständlichkeit und Übersichtlichkeit.

In der Gestaltung setzt das Portal konsequent auf Nüchternheit und Klarheit. Statt visueller Überfrachtung liegt der Fokus bewusst auf der Funktion: „Man muss schauen, was man will: eine schöne grafische Darstellung mit vielen bunten Bildchen oder sachlich etwas rüberbringen – und das alles in angemessener Zeit und mit vertretbarem Mittelaufwand.“ Um das Projekt zügig voranzubringen, wurde dieser klare Startpunkt zunächst auf Basis der Erfahrungen aus den früheren, gemeindespezifischen Verwaltungsprofilen entwickelt. Heute, nach dem Start, bestätigen zahlreiche Rückmeldungen, dass das Portal breit genutzt wird: nicht nur von den Verwaltungen von Kreis und Gemeinden, sondern auch von Politik und Schulen im Rahmen verschiedener Projekte. Auf dieser Grundlage wird das Portal nun kontinuierlich im Dialog mit den Nutzenden weiterentwickelt und die Bedienfreundlichkeit stetig verbessert.

Die drei Säulen des Gelingens: Strategie, Daten und Vernetzung.

Für eine reibungslose Umsetzung müssen technische, rechtliche und personelle Voraussetzungen erfüllt sein

Hinter der sichtbaren Oberfläche des Portals steckt ein komplexes Fundament. Für den stabilen, sicheren und bedarfsorientierten Betrieb erwiesen sich, über die grundlegenden technischen (ArcGIS-Lizenz, EU-Hosting) und rechtlichen (Datenschutzkonzept, Barrierefreiheit) Klärungen hinaus, vor allem drei strategische Entscheidungen als maßgeblich für das Gelingen:

An erster Stelle steht die frühzeitige und umfassende Einbindung aller relevanten Akteure. Diese Vernetzung ging weit über eine rein organisatorische Abstimmung hinaus und diente dazu, von Anfang an Rückhalt für das Projekt zu sichern und Hürden proaktiv zu begegnen. „Alle Beteiligten ins Boot zu holen, das ist das A und O. Nur so hat man Rückhalt und eine schnelle Bearbeitung“, bringt es Jana Kupetz auf den Punkt. Ausschlaggebend sei dabei auch der Zeitpunkt, weshalb sie bereits während der Antragstellung, ein Jahr vor Projektstart, in den Austausch getreten ist. „Wenn man erst vier Wochen vorher anfängt, ist das Projekt schon gescheitert“, so Kupetz.

Zweitens sorgte das bereits vorhandene, über Jahre aufgebaute Datenfundament aus dem Bildungsmonitoring für einen entscheidenden Geschwindigkeitsvorteil. Die bestehenden Strukturen und Daten konnten konsequent genutzt und weiterentwickelt werden. Jana Kupetz erinnert sich: „Das Ganze ging nur, weil wir schon umfangreiche Daten vorliegen hatten, die sich gut auf ArcGIS übertragen ließen.“ Drittens ermöglichte die bewusste Entscheidung für strategisches Outsourcing, die Einbindung eines externen Dienstleisters für den initialen Aufbau, die schnelle Bereitstellung eines professionellen Produkts für die Region.

Gewusst wie: Wo es an Know-how fehlt, werden Kompetenzen aufgebaut, externe Dienstleister genutzt und neue Lösungen entwickelt.

Gleichzeitig war klar, dass die Entwicklung des Bildungsportals einen kontinuierlichen internen Kompetenzaufbau erfordert, um langfristig handlungsfähig zu bleiben und externe Abhängigkeiten zu reduzieren. Gezielte Schulungen durch den Dienstleister versetzten das Team im Bildungsbüro schließlich in die Lage, Dashboards eigenständig zu aktualisieren. Später folgten weitere Fortbildungen, sodass kleinere Fehler mittlerweile selbst behoben werden können. Inzwischen konnte das Bildungsbüro sogar den gesamten Bereich der beruflichen Bildung eigenständig im Portal umsetzen. Diese Entwicklung erforderte auch Überzeugungsarbeit: Das Katasteramt, das für die grundlegende Administration (z. B. Nutzungsrechte) des Portals zuständig ist und ebenfalls geschult wurde, musste erst von der Dashboardlösung überzeugt werden, da es bislang primär kartenorientiert gearbeitet hatte.

Zum laufenden Betrieb des Bildungsportals gehört auch ein pragmatischer Blick auf die Ressourcen. Die Pflege der Daten bindet Zeit. Für jeden Indikator sind meistens zwei Dateien notwendig, sodass derzeit rund 130 Datendateien jährlich manuell aktualisiert werden müssen. „Das eigentliche Einpflegen geht schnell – ein bis zwei Minuten. Aber die Vorarbeit, die Dateien vorzubereiten, dauert. Eine Automatik gibt es bisher nicht“, betont Jana Kupetz. Neue Dashboards benötigen je nach Komplexität zwischen einer und drei Stunden Arbeitszeit. Insgesamt fallen für die jährliche Aktualisierung ein bis zwei Monate an, da die Arbeiten neben dem Tagesgeschäft erledigt werden müssen.

Blick nach vorne: Übertragbarkeit und Weiterentwicklung des Bildungsportals.

Das Bildungsportal Oder-Spree als Modell: Was es zur Umsetzung in anderen Kommunen braucht 

Der Erfolg des Bildungsportals Oder-Spree beruht nicht auf landkreisspezifischen Besonderheiten, sondern auf klaren Prozessen und einer dienstleistungsorientierten Architektur. Genau das macht den Ansatz anschlussfähig für andere Kommunen. Die technische Basis ist in vielen Landkreisen bereits vorhanden, da vor allem Katasterämter häufig ArcGIS nutzen. Auch die Datenbasis und Indikatorik ist meist kompatibel: Da das Portal zu großen Teilen auf Daten der amtlichen Statistik und etablierten Kennzahlen des kommunalen Bildungsmonitorings basiert, ist das Grundgerüst prinzipiell anschlussfähig für vergleichbare Vorhaben in anderen Kommunen. Ein vorhandenes Datenmanagementsystem wie KomBi sei hilfreich, erklärt Kupetz, aber keine zwingende Voraussetzung: „Man kann das auch mit Excel machen. Es dauert dann eben länger und wird bei großen Datenmengen eventuell unübersichtlich, aber es geht.“

Die Zukunft des Portals: Von der gesamten Bildungskette bis zur vollständigen Automatisierung.

Für das Team des Bildungsbüros ist der Blick nach vorn klar: Das Portal ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern ein dynamisches System, das wächst. Inhaltlich wird es um non-formale Bildung und Weiterbildung ergänzt, um die Bildungsbiografie zu vervollständigen. 

Parallel wird die technische Vision vorangetrieben. Ein zentrales Ziel ist die Automatisierung der Aktualisierung. „Traumhaft wäre es, wenn wir irgendwann einfach auf einen Knopf drücken, und alle Daten sind automatisch aktualisiert“, bringt es Jana Kupetz auf den Punkt. Langfristig soll das Portal zudem zu einem Werkzeug für individuelle Bildungsberichte auf Knopfdruck werden, die als PDF oder Web-Format exportierbar sind. Perspektivisch könnte das Portal sogar über den Bildungsbereich hinauswachsen und durch die Integration von Gesundheit, Pflege oder weiteren Bereichen zu einem integrierten Informationssystem für kommunale Entscheidungsprozesse werden.

Gleichzeitig bleibt für Jana Kupetz die Ressourcenfrage entscheidend: Kleine Kommunen könnten solche Lösungen selten allein stemmen. Sie plädiert daher für einheitliche Formate und gemeinsame Standards, sodass Daten vergleichbar vorliegen und direkt weiterverarbeitet werden können. Dies würde vermeiden, dass überall parallel technische Lösungen neu entwickelt werden müssen, und gäbe auch kleinen Verwaltungen die Chance, digitale Portale nachhaltig zu betreiben.


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