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Praxisbeispiel Stadt Mönchengladbach

Themenseite "Digitale Produktformate"

Wo wohnen die Schulkinder wirklich? Eine interaktive Karte schafft Transparenz für Mönchengladbachs Schulentwicklungsplanung.

Jahrelang stand die Schulentwicklungsplanung in Mönchengladbach vor einer hartnäckigen Herausforderung. Die prognostizierte Zahl an Erstklässler*innen pro Schule, die auf Basis der Melderegisterzahlen ermittelt wurde, wich zu stark von den tatsächlichen Anmeldezahlen an den Grundschulen ab, was zu ungenauen Planungen führte. Die Ursache war bekannt, aber schwer zu fassen: Viele Kinder besuchten nicht die Grundschule in ihrem eigentlichen Planungsbereich. Erst eine interaktive Kartendarstellung, die diese Abweichungen präzise sichtbar machte, brachte den Durchbruch und legte so den Grundstein für ein neues Maß an Planungsgenauigkeit.

Sebastian Schuster, Bildungsmonitorer im Regionalen Bildungsbüro (RBB) der Stadt Mönchengladbach, sprach mit der KOSMO über die Entwicklung, die Mehrwerte und die Herausforderungen, die auf dem Weg zur digitalen Karte gelöst werden mussten.

Steckbrief // Stadt Mönchengladbach, Nordrhein-Westfalen

Digitales Produkt

interaktive Visualisierung der Grundschul-Planungsbereiche zur Optimierung der Schulentwicklungsplanung

Bereitstellung

Intern über ein mit der Programmiersprache R entwickeltes Geodaten-Dashboard zur Unterstützung der Schulentwicklungsplanung

Interviewpartner

Sebastian Schuster, Bildungsmonitoring im Regionalen Bildungsbüro (RBB)

Organisation

Das RBB ist Teil des Fachbereichs Schule und Sport. Es beschäftigt fünf Bildungsmanager*innen sowie zwei Personen im Bildungsmonitoring.

Handlungsempfehlungen

Synergien schaffen statt Zuständigkeiten verwalten: Der Erfolg digitaler Analysewerkzeuge entscheidet sich oft schon vor dem ersten Klick. Kommunen sollten daher von Beginn an ein Kernteam aus Datenexpert*innen (Bildungsmonitoring, Statistik, IT), Fachexpert*innen (hier: Schulentwicklungsplanung) und den voraussichtlichen Anwender*innen bilden. Dies stellt sicher, dass vorhandene Datenquellen systematisch verknüpft, technische Hürden frühzeitig erkannt und die Zugriffsrechte klar geregelt werden. So entsteht eine verlässliche und von allen getragene Datengrundlage.

Digitale Tools als Problemlöser nutzen: Ein großes Potenzial digitaler Analyseformate besteht darin, konkrete und drängende Fragen aus dem Planungsalltag zu beantworten. Ein gedruckter Bericht kann eine Hypothese bestätigen, aber die Analyse bleibt auf die Perspektive der verfassenden Person beschränkt. Ein interaktives Tool hingegen wird selbst zum Analysewerkzeug für die Nutzenden: Entscheidungsträger*innen können Indikatoren auswählen, Filter setzen und Zusammenhänge eigenständig nachvollziehen. Digitale Werkzeuge sollten daher nicht ausschließlich genutzt werden, um Berichte zu bebildern, sondern um dynamische Analyse-Räume zu schaffen, in denen Probleme gemeinsam untersucht und gelöst werden können.

Datenumfang begrenzen und Informationen kontextualisieren: Gerade digitale Formate verleiten dazu, zu viele Informationen bereitzustellen, die ohne die notwendige Fachexpertise zu Interpretationsfehlern führen können. Erfolgreiche Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass sie den Datenumfang auf das für die Fragestellung notwendige Minimum reduzieren. Gleichzeitig liefern sie genau die Kontextinformationen, die zur korrekten Einordnung der Ergebnisse zwingend erforderlich sind. Klarheit schlägt hier immer Vollständigkeit.

In Prototypen denken und schnell lernen: Die Entwicklung digitaler Produkte erfordert eine andere Herangehensweise als die Erstellung analoger Berichte. Während ein gedruckter Bericht einen klaren Planungsprozess benötigt (da Fehler nach dem Druck nicht mehr korrigierbar sind), sind digitale Produkte flexibel und jederzeit anpassbar. Anstelle einer langwierigen Konzeptionsphase empfiehlt sich deshalb ein agiler Prozess mit Prototypen und Feedbackschleifen. Dieser iterative Kreislauf aus Bauen, Testen und Verbessern ist der schnellste Weg zu einem digitalen Werkzeug, das die tatsächlichen Bedürfnisse des Arbeitsalltags erfüllt.

Das Dilemma der freien Schulwahl: Wie der Elternwille die Planung herausfordert.

In Nordrhein-Westfalen gilt grundsätzlich freie Grundschulwahl. Eine Ausnahme besteht nur in Kommunen, die feste Schuleinzugsbereiche festgelegt haben – was in Mönchengladbach jedoch nicht der Fall ist. Dieser Grundsatz des Elternwillens trifft jedoch auf eine wichtige planerische Realität: Einen Rechtsanspruch auf Aufnahme hat jedes Kind, im Rahmen der verfügbaren Plätze, nur an der wohnortnächsten Grundschule. Die Anmeldung an einer Wunschschule bedeutet also nicht automatisch eine Zusage. Das führt zu einem planerischen Spannungsfeld: Kann eine Schule nicht alle angemeldeten Kinder aufnehmen, entscheidet die Schulleitung nach einem festgelegten Auswahlverfahren. Kriterien wie Geschwisterkinder an der Schule oder die Länge des Schulwegs bestimmen dann, welche Kinder einen Platz erhalten (Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen 2023).

Die Prognose, wie viele Kinder an welcher Schule eingeschult werden, wird dadurch zu einer komplexen Herausforderung. Um die individuellen Entscheidungen der Eltern für Prognosen handhabbar zu machen, wurden in der Stadt Mönchengladbach daher räumlich abgegrenzte Planungsbereiche gebildet, die in der Regel jeweils mehrere Grundschulen umfassen. Auf Basis der Melderegisterdaten aus diesen Bereichen wurden in der Vergangenheit die Einschulungszahlen für die einzelnen Schulen prognostiziert. In der Praxis zeigte sich jedoch ein wiederkehrendes Problem: Die Prognosen wichen teils erheblich von den tatsächlichen Anmeldezahlen ab und mussten durch Korrekturen ausgeglichen werden. Damit verdichtete sich eine zentrale Hypothese: Die Ursache der Ungenauigkeit liegt in den Planungsbereichen selbst, da diese die durch den Elternwillen geprägten, realen Schüler*innenströme nicht korrekt abbilden.

Eine Karte sagt mehr als tausend Zahlen: Die Visualisierung zeigt erstmals das volle Ausmaß der Abweichung.

Am Anfang der Lösungsfindung stand eine entscheidende Erkenntnis, die im Austausch mit den Kolleg*innen aus dem Anmeldeverfahren gewonnen wurde: „Im Gespräch wurde uns plötzlich klar, dass wir die benötigten Daten bereits besaßen: Wir kennen die Meldeadressen der Schüler*innen und können exakt prüfen, ob sie in den Planungsbereichen der jeweiligen Grundschule leben“, erinnert sich Sebastian Schuster. Mit dieser Datengrundlage war es erstmals möglich, die Hypothese der abweichenden Schüler*innenströme gezielt zu überprüfen und die tatsächliche Schulwahl der Eltern abzubilden.

Um die Diskrepanz zwischen den theoretischen Planungsbereichen und der Realität sichtbar zu machen, prüfte das Regionale Bildungsbüro verschiedene Ansätze. Schnell wurde klar, dass eine kartografische Darstellung am aussagekräftigsten wäre. In einem iterativen Prozess mit Prototypen und Feedbackschleifen entwickelte sich die Idee weiter.

“Der eigentliche Gamechanger war dann der Schritt von einer statischen Karte hin zur interaktiven Anwendung, in der wir Daten filtern und dynamisch erkunden können”, erläutert Schuster diesen entscheidenden Entwicklungsschritt.

Als das Team die Daten schließlich interaktiv visualisierte, bestätigte sich die Hypothese und machte das Ausmaß der Abweichung auf einen Blick greifbar: An manchen Schulen wohnen bis zu 60 Prozent der Kinder außerhalb des offiziell zugeordneten Bereichs. Wie deutlich dieser Effekt ist, zeigt der exemplarische Blick auf eine einzelne Grundschule aus dem Analysetool: Auf der Karte liegen die schwarzen Punkte innerhalb des lila eingefärbten Planungsbereichs – also dort, wo die Schüler*innen im Prognoseverfahren erwartet wurden. Die roten Punkte zeigen hingegen, wo ein großer Teil der Kinder tatsächlich wohnt: außerhalb des Planungsbereichs.

Diese Erkenntnis blieb nicht ohne Folgen: Die Stadt Mönchengladbach strebt mittlerweile an, die Planungsbereiche auf Basis dieser Erkenntnisse neu zu definieren. Der Mehrwert des Werkzeugs liegt somit nicht allein darin, eine Fülle von Informationen aus zuvor getrennten Quellen intuitiv zu bündeln. Sebastian Schuster hebt vor allem die kommunikative Kraft hervor, die in der Visualisierung steckt: „Die Visualisierung trägt entscheidend dazu bei, Verständnisprobleme zu lösen. Die Frage, ob die Planungsbereiche die Wohnorte der Schülerschaft abdecken, lässt sich nicht besser darstellen als auf einer Karte.“ Die Eindeutigkeit und Verständlichkeit der Darstellung führte dazu, dass auch auf Entscheidungsebene der Handlungsbedarf nachvollzogen werden konnte.

Mit gezielten Fragestellungen zu relevanten Ergebnissen: Wenn Monitoring nicht beschreibt, sondern Antworten liefert.

Der Fall Mönchengladbach ist damit mehr als nur die Erfolgsgeschichte eines neuen Tools. Er steht exemplarisch für ein wirksames, problemorientiertes Monitoring. Anstatt Berichte um ihrer selbst willen zu erstellen, stand hier von Anfang an eine konkrete Arbeitshypothese im Zentrum: Die Prognosen sind ungenau, weil die zugrunde liegenden Planungsbereiche nicht die Realität abbilden.

Diese Hypothese wurde gezielt mit empirischen Analysen überprüft und konnte eindeutig bestätigt werden. Der entscheidende Erkenntnisgewinn liegt aber nicht nur in dieser Bestätigung. Er liegt vor allem in der praktischen Relevanz für die kommunale Planung: Durch die klare, visuelle Evidenz konnten bestehende Strukturen fundiert hinterfragt und die notwendigen Anpassungen vorbereitet werden. Auf diese Weise schafft das Bildungsmonitoring eine direkte, verständliche Grundlage für politische und administrative Entscheidungen und trägt aktiv zur Verbesserung der Planungsprozesse bei.

Vom Prototyp zum Standardwerkzeug: Flexibilität und eine klare Zielgruppen-Fokussierung machen das Tool unverzichtbar.

Diese Wirksamkeit in der Praxis verdankt das Projekt einem wesentlichen Mehrwert des Werkzeugs: seiner hohen Flexibilität. Durch Zoom-Funktionen, die flexible Steuerung verschiedener Datenebenen und intuitive Mouse-Over-Informationen lassen sich wichtige Kontextdaten wie Schulstandorte, Wohnorte der Kinder und Stadtteilgrenzen je nach Fragestellung dynamisch ein- und ausblenden. Im Gegensatz zu analogen Berichtsformaten ist das Werkzeug zudem jederzeit abrufbar und leicht zu aktualisieren, was spontane Analysen und Präsentationen in Gremiensitzungen enorm erleichtert. Genau diese praxisnahe Flexibilität ist der Grund, warum sich die Visualisierung schnell über das Regionale Bildungsbüro hinaus als Standardwerkzeug etabliert hat: Fachbereichs- und Dezernatsleitungen berichten wiederholt vom gezielten Einsatz in Sitzungen, die interne Nachfrage ist ungebrochen und auch der Austausch mit anderen Kommunen bestätigt die hohe Relevanz des Formats sowie der verwendeten Werkzeuge. 

Ein entscheidender Faktor für diesen Erfolg war eine strategische Weichenstellung zu Beginn des Projekts. Das Team identifizierte als Hauptzielgruppen interne Nutzende – Schulentwicklungsplaner*innen, Fachbereichsleitungen und Dezernatsleitungen – und konzipierte das Instrument bewusst als professionelles Arbeitswerkzeug, nicht als öffentliches Informationsportal. Diese klare Fokussierung erlaubte eine wesentlich größere Komplexität und Analysetiefe, als es für die breite Öffentlichkeit sinnvoll wäre. Zusätzlich wird durch die verwaltungsinterne Zielgruppe die Verwendung von Daten möglich, die aus Gründen des Datenschutzes und der Datensicherheit nicht für externe Nutzer*innen zugänglich sein dürfen. Die Erfahrungen liefern damit eine wichtige Erkenntnis für ähnliche Vorhaben: Es empfiehlt sich, vor Projektbeginn klar zu definieren, an wen die Ergebnisse gerichtet sind und wie komplex die Darstellungsform ausfallen darf. Eine zu hohe Detailtiefe, etwa durch die Einbindung von Prognosekorridoren oder komplexen statistischen Kennzahlen, kann die Verständlichkeit für Entscheidungsträger*innen mindern und Fehlinterpretationen fördern.

Ein selbstentwickeltes „R“-Skript verbindet Datenquellen und sichert den Datenschutz.

Die technische Grundlage für das Analyse-Werkzeug ist ein durch das Regionale Bildungsbüro eigens in der Programmiersprache R entwickeltes Skript. Es führt zwei zentrale Datenquellen zusammen, um die Abweichungen zwischen Planung und Realität sichtbar zu machen, die durch die freie Schulwahl der Eltern entstehen. Auf der einen Seite stehen die anonymisierten Melderegisterdaten, die zeigen, welche schulpflichtigen Kinder in einem bestimmten Planungsbereich erwartet werden. Auf der anderen Seite stehen die Meldeadressen aus den Schulanmeldungen, die Auskunft darüber geben, wo die an einer Schule tatsächlich angemeldeten Kinder wohnen. Das Skript gleicht diese Datensätze ab und generiert daraus die kartografische Darstellung, die den Unterschied zwischen Prognose und Realität auf einen Blick verdeutlicht.

Für die Datenaufbereitung, die Geokodierung der Adressen und die grafische Visualisierung wurden spezialisierte R-Pakete wie die Paketsammlung tidyverse, sowie die Pakete SF, tidygeocoder und tmap eingesetzt. Sebastian Schuster betont, dass die Arbeit mit Geodaten eine gewisse Expertise erfordert. Moderne KI-Tools können hierbei unterstützen, ersetzen aber kein Fachwissen:

Auch wenn uns generative KI heute die Arbeit erleichtert, sind fortgeschrittene Kenntnisse in R notwendig, um eine solche Visualisierung umzusetzen.

Da das Projekt mit sensiblen Individualdaten wie Meldeadressen arbeitet, hatte der Datenschutz von Beginn an höchste Priorität. Für die interne Analyse werden alle personenbezogenen Angaben entfernt und durch anonymisierte Kennziffern ersetzt, die keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen zulassen. Als zusätzliche Schutzmaßnahme für externe Präsentationen werden zudem ausschließlich ältere Datensätze verwendet, die mindestens vier Jahre zurückliegen. Damit ist über die Anonymisierung hinaus sichergestellt, dass die dargestellten Schüler*innen die betreffenden Schulen, bis auf sehr wenige Ausnahmen, nicht mehr besuchen.

Abteilungsübergreifende Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Projekterfolg.

Die Entwicklung des Werkzeugs war von Anfang an eine Teamleistung. Während die Erstellung des ersten Prototyps den Einsatz einer Vollzeitkraft für rund zwei Wochen erforderte, ist die jährliche Aktualisierung heute in wenigen Arbeitstagen erledigt. Möglich wurde dies durch eine enge, abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und die Vorzüge der verwendeten Tools, die unter bestimmten Voraussetzungen eine Automatisierung vieler Arbeitsschritte ermöglichen.

Den Kern des Projekts bildete das Monitoring-Team, das die Vision und die analytische Steuerung verantwortete. Für die technische Umsetzung wurden zwei entscheidende Partner*innen ins Boot geholt: die interne IT-Koordination sicherte die notwendige Software-Infrastruktur, und der Fachbereich Geodatenmanagement lieferte die benötigten Raumdaten. Herr Schuster spricht in diesem Zusammenhang von einer erfolgreichen fachbereichsübergreifenden Zusammenarbeit, da die Geodaten-Experten die sogenannten Shapefiles bereitstellten und so die Visualisierung auf der Karte ermöglichten.

Shapefiles

Eine Shape-Datei ist ein weit verbreitetes Format für Geoinformationssysteme, mit dem Geometrien wie z. B. Punkte, Linien oder Flächen in Programmen dargestellt werden können.

Um sicherzustellen, dass das Werkzeug nicht nur technisch funktioniert, sondern auch intuitiv bedienbar ist, wurden in Pilotphasen gezielt Feedbackschleifen eingerichtet. Kolleg*innen ohne spezifischen Datenhintergrund prüften die Verständlichkeit, denn das Ziel war von Beginn an klar: Das Tool soll auch für Personen ohne tiefgründige Fachkenntnisse selbsterklärend sein, um eine breite Nutzung zu gewährleisten. Nachdem die Prototypen ausgereift waren, wurde schließlich die Fachbereichs- und Dezernatsleitung eingebunden, welche auf Basis der neuen, klaren Datengrundlage die Neuausrichtung der Planungsbereiche beauftragte.

Ein Ansatz, viele Möglichkeiten: Warum das Modell auch anderswo funktioniert.

Der Erfolg des Projekts in Mönchengladbach hat bereits das Interesse anderer Kommunen geweckt. Dabei geht es weniger um die exakte Kopie des Werkzeugs als vielmehr um die Übertragung des methodischen Prinzips: eine konkrete planerische Fragestellung datenbasiert und visuell zu beantworten.

Der Ansatz ist daher auch dort übertragbar, wo die Rahmenbedingungen völlig anders sind – beispielsweise in Kommunen mit festen Schulbezirken. In einem solchen Fall könnte die Analyse nicht auf die Abweichungen bei der Schulwahl fokussieren, sondern andere relevante Muster sichtbar machen: Kapazitätsauslastungen, die Verteilung von Förderbedarfen oder die Erreichbarkeit von Schulen. Das Instrument funktioniert somit als flexibler Rahmen, der anlassbezogen mit den jeweils relevanten Fragen und Daten gefüllt werden kann, um Gesprächsanlässe zu schaffen und Entscheidungen auf eine fundierte Grundlage zu stellen.

Dass dieser methodische Rahmen flexibel ist, beweist die Stadt Mönchengladbach bereits selbst. Das Vorgehen wurde schon auf weitere Projekte übertragen, etwa auf die Visualisierung des Übergangsverhaltens von der Grund- zur weiterführenden Schule oder die genaue Berechnung von Schulwegen. Diese Beispiele zeigen, dass auf einer einmal geschaffenen technischen Basis vielfältige Anwendungsfälle realisiert werden können, um kommunale Planungs- und Steuerungsprozesse effizient zu unterstützen.

Vom Rückspiegel zum Steuerrad: Die Vision einer proaktiven Bildungsplanung.

Der Blick in die Zukunft der kommunalen Bildungsberichterstattung zeichnet für Sebastian Schuster ein klares Bild: Der Weg führt weg von statischen Dokumenten hin zu digitalen und interaktiven Formaten, die den direkten Zugriff auf Daten für verschiedenste Nutzer*innengruppen ermöglichen. Seine Vision beschreibt er so:

Ich stelle mir das so vor, dass Bürger*innen, Verwaltungsmitarbeitende und politische Entscheidungsträger*innen in die Lage versetzt werden, sich relevante Kennzahlen selbst aus Online-Portalen, Dashboards oder interaktiven Berichten abzurufen und individuell zusammenzustellen.

 

Um dorthin zu gelangen, gelte es, Prozesse durch Automatisierung und KI-gestützte Auswertungen effizienter zu gestalten und somit mehr Zeit für die wirklich entscheidenden Aufgaben zu gewinnen: tiefgehende Analysen und die Beantwortung strategischer Fragen. Dass dabei eine sichere und zugleich wirksame Datennutzung unter Wahrung des Datenschutzes möglich ist, zeigten erfolgreiche Beispiele aus anderen europäischen Ländern (Hertweck et al. 2023) Langfristig – so sein Fazit – geht es um eine fundamentale Neuausrichtung: Die Bildungsberichterstattung dürfe nicht nur reagieren, sondern müsse proaktiv zur Gestaltung einer chancengerechten und zukunftsfähigen Bildungslandschaft beitragen.

Hertweck, F., Isphoring, I. E., Matthewes, S. H., Schneider, K. & Spieß, C. K. (2023). Für einen besseren Datenzugang im Bereich Bildungsdaten. Stellungnahme aus dem Verein für Socialpolitik. Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD. Berlin (RatSWD Working Paper Series, 282). DOI: 10.17620/02671.87.

Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (2023). Grundschulformen in NRW. Elterninfos zu Schulkonzepten und Anmeldeverfahren. https://www.familienportal.nrw/de/3-bis-6-jahre/betreuung-bildung/grundschulformen-nrw. Zugegriffen: 20.10.2025.


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