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Politische und kulturelle Bildung in Kommunen

Themenseite Politische und kulturelle Bildung

Einführung: Was ist politische Bildung? Was ist kulturelle Bildung?

Um die Themen der politischen und kulturellen Bildung zielgerichtet im Bildungsmanagement und auch der Bildungsberichterstattung bearbeiten zu können, benötigen Kommunen zunächst ein grundlegendes Verständnis beider Themenbereiche. Die auf dieser Seite vorgestellten Definitionen der politischen und kulturellen Bildung helfen Kommunen dabei, die Themen einzugrenzen sowie die Analysezugänge nach ihren Zielstellungen und Bedarfen auszurichten.

Auf dieser Seite erfahren Sie zudem mehr zur Bedeutung der politischen und kulturellen Bildung für und in Kommunen und können sich einen Überblick hinsichtlich der Herausforderungen verschaffen, denen sich Kommunen in diesen Themenfeldern gegenübersehen. Außerdem werden Handlungsansätze aufgezeigt, mit denen diesen Herausforderungen begegnet werden kann.

Handlungsempfehlungen

Grundlagen schaffen für gezielte Bildungsarbeit

Um die politische und kulturelle Bildungsarbeit effektiv zu gestalten, ist es zentral, dass Kommunen ein tiefgreifendes Verständnis der verschiedenen Definitionen und Dimensionen beider Bildungsbereiche gewinnen. Dies ermöglicht eine präzise Eingrenzung des Feldes für passende Fragestellungen und Ansätze.

Politikdidaktik und Demokratiepädagogik unterscheiden

Kommunen sollten die Ausdifferenzierung der politischen Bildung kennen und den gezielten Einbezug sowohl der Politikdidaktik als auch der Demokratiepädagogik in ihre Bildungskonzepte erwägen.

Kulturelle Teilhabe ermöglichen

Zur Verbesserung der gesellschaftlichen Reichweite kultureller Bildung sollten Kommunen den selbsttätig-kreativen Bereich stärken. Er setzt bei den Teilnehmenden wenig oder kein Vorwissen voraus und spricht somit breitere Bevölkerungsschichten an. Genauso wichtig ist es, Strategien zu entwickeln, die den systematisch-rezeptiven Bereich für mehr Menschen zugänglich machen. Hierbei ist es wichtig, verschiedene Angebots- und Einrichtungstypen der kulturellen Bildung zu berücksichtigen.

Voraussetzungen kennen

Kommunen sollten sich ihrer besonderen Rolle hinsichtlich politischer und kultureller Bildung bewusst sein: Die Funktionen der politischen und kulturellen Bildung vollziehen sich in sozialen Räumen, die Kommunen maßgeblich mitgestalten. Daher ist es für Kommunen erforderlich, sich die Herausforderungen und Handlungsansätze zu vergegenwärtigen, vor denen Kommunen als Träger von politischen und kulturellen Bildungsangeboten stehen.

Definition politischer Bildung

Politische Bildung [ist ein] Sammelbegriff für ein schulisches oder außerschulisches […] Lernen und […] Einwirken auf den Mitmenschen, um politisches Verhalten, Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit, Bereitschaft und Kompetenz, demokratische Spielregeln und Grundwerte, Problembewußtsein und Urteilsfähigkeit [sowie] das Denken in Alternativen zu vermitteln (Mickel 2005, S. 729).

Diese Definition politischer Bildung ist für Kommunen besonders anschlussfähig, da sie mehrere Perspektiven auf das Thema umfasst und somit nicht nur einen guten Überblick leistet, sondern auch verschiedene Möglichkeiten eröffnet, das Thema datengestützt zu beschreiben. In Abbildung 1 sind die Systematik der Definition, ihre Perspektive auf die Rolle des Individuums sowie die von ihr angesprochenen Dimensionen der politischen Bildung zusammenfassend dargestellt.

Abbildung 1: Aspekte der Definition politischer Bildung. Siehe hierzu auch Biedermann und Reichenbach (2009), Overwien (2021, S. 115) sowie Wohnig (2021, S. 18).

An diese Definition knüpft das von der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung verfasste Konzept der politischen Bildung an, das methodische Kompetenzen, politische Urteilsfähigkeit und politische Handlungsfähigkeit beinhaltet. Mit diesem Konzept ist auch der sogenannte Beutelsbacher Konsens verbunden. Er enthält ein Überwältigungsverbot (d. h., ein Verbot der politischen Indoktrination), ein Gebot der Kontroversität sowie ein Gebot der Orientierung an den Interessen der Teilnehmenden politischer Bildungsprogramme (Overwien 2021, S. 116). Gesellschaftspolitische Aushandlungsprozesse setzen die politische Bildung unter einen stetigen Reformdruck, dem sich auch Kommunen in der Gestaltung der politischen Bildung gegenübersehen (Kalina 2014, S. 37–39).

Die politische Bildung hat sich seit Anfang der 2000er-Jahre ausdifferenziert und umfasst die mitunter als konkurrierend beschriebenen Unterformen der Politikdidaktik auf der einen und der Demokratiepädagogik auf der anderen Seite. Während sich die Politikdidaktik vor allem auf die Vermittlung der Demokratie als Herrschaftsform fokussiert, sieht die Demokratiepädagogik ihr Ziel in der Vermittlung der Demokratie als Lebensform, wodurch sich auch Widersprüche zwischen diesen beiden Disziplinen in konkreten Bildungssettings ergeben können (Pohl 2009; Sturzenhecker und Wohnig 2019).

Definition kultureller Bildung

Im Gegensatz zur politischen Bildung lässt sich für die kulturelle Bildung keine weithin anerkannte Definition formulieren. Vielmehr ist der gemeinsame Konsens von Kulturwissenschaften und kulturpädagogischer sowie künstlerischer Praxis, dass eine Definition kultureller Bildung im Grunde nicht leistbar ist – zumindest nicht über ein sehr allgemeines Niveau hinaus (Ijdens 2016, S. 9–10). Gemein ist verschiedenen Definitionsversuchen vor allem die Betonung des Ästhetischen (verstanden als Stärkung der menschlichen Empfindungsfähigkeit; Gieseke 2010, S. 31), der Persönlichkeitsbildung (Fobel und Kolleck 2021, S. 324; Fuchs 2001, S. 4) sowie gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Integration (Weishaupt und Zimmer 2013, S. 83–84; Witt 2022).  

Aufgrund dieses Umstands finden sich in der Literatur zahlreiche Beispiele für Definitionen kultureller Bildung, die möglichst breit und damit auch durch entsprechende weitere Operationalisierungen empirisch handhabbar sind. So betonen z. B. die UNESCO-Richtlinien für die Entwicklung kultureller Bildung lediglich, dass kulturelle Bildung formale und non-formale Bildung sowie informelles Lernen umfasst, auf kulturellen Ausdruck und kulturelle Aktivitäten gerichtet ist und somit zu einem gewissen Grad der weiteren gesellschaftlichen Ausformulierung bedarf (Ijdens 2016, S. 9–10).

Cultural education, in this sense, includes any learning about, with or through artistic and cultural items or activities (Fobel und Kolleck 2022, S. 4).

Systematischer lassen sich im Vergleich zu den Definitionen die Dimensionen und mit ihnen verbundenen Funktionen der kulturellen Bildung beschreiben. Sie sind in Abbildung 2 dargestellt.

 

KULTURELLE BILDUNG IST VIELFÄLTIGE BILDUNG

Dimensionen

Kulturelle Bildung kann sich unterschiedlich manifestieren: Zum einen in einer künstlerisch-ästhetischen Form, die etwa durch die Aneignung von Wissen der Kunst-, Kultur- und Literaturgeschichte (systematisch-rezeptive Dimension) oder durch das eigene künstlerische Schaffen (selbsttätig-kreative Dimension) gepägt ist. Zum anderen kann sie einen sozio-kulturellen Schwerpunkt haben, der durch Verständnis und Kommunikation, etwa im Rahmen interkultureller Begegnungen gekennzeichnet ist.

Teilhabe

Die verschiedenen Dimensionen der kulturellen Bildung sind in Bezug auf ihre gesellschaftliche Reichweite nicht gleichwertig. Der Bereich des eigenständigen kreativen Schaffens ist oft ohne umfangreiche Vorkenntnisse zugänglich und öffnet somit breitere Zugänge zur kulturellen Teilhabe. Im Gegensatz dazu erfordert der systematisch-rezeptive Zugang ein höheres Maß an Vorwissen und ist somit herausfordernder in der breiten Vermittlung.
 

Abbildung 2: Dimensionen und Funktionen kultureller Bildung. Eine ähnliche Kategorisierung findet sich bei Bamford (2009, S. 12) in learning for the Arts (Wissen über Institutionen, z. B. das Theater), learning in the Arts (Vermittlung künstlerischer Techniken, z. B. Spielen eines Musikinstruments) und learning through the Arts (Vermittlung weiteren Wissens durch kulturelle Methoden, z. B. Kunstprojekte zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung).

Auch die Angebotsformen der kulturellen Bildung lassen sich kategorisieren, und zwar in Angebote eigenständiger Einrichtungen der kulturellen Bildung, Angebote von Kultur-, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen, einrichtungsunabhängige Aktivitäten und Kooperationen verschiedener Anbieter (Witt 2022). Diese Unterscheidung zeigt, dass das Angebot kultureller Bildung weit über eine bestimmte Einrichtung hinausgeht: So muss kulturelle Bildung nicht zwingend in einem dafür vorgesehenen Gebäude (z. B. einem Museum) stattfinden. Die verschiedenen Dimensionen und Angebots-/Einrichtungstypen sind in der folgenden Tabelle 1 samt einiger Beispiele für entsprechende Angebote dargestellt. Die Zuordnung hierbei ist nicht notwendigerweise eindeutig, da Angebote auch mehrere Dimensionen abdecken können.

 

Tabelle 1: Dimensionen und Angebots-/Einrichtungstypen der kulturellen Bildung; Erweiterung der Darstellung von Witt (2022).

Politische und kulturelle Bildung findet sowohl in formalen Kontexten wie der Schule oder Hochschule als auch in organisierten Formen statt, die nicht mit einem formalen Abschluss enden. Sie gehören zur non-formalen Bildung (Fuchs 2001, S. 8; Trang Le und Kolleck 2022, S. 336). Non-formale politische und kulturelle Bildung reicht vom Erlernen eines Musikinstruments in der Kreismusikschule bis hin zum Bildungsurlaub und kann somit entlang der gesamten Bildungskette eines lebenslangen Lernens stattfinden. Zudem kann sich politische und kulturelle Bildung informell vollziehen, also außerhalb organisierter Bildungsveranstaltungen. Dass ein großer Teil der kommunalen politischen und kulturellen Bildung – und damit auch der kommunalen Bildungsberichterstattung in den beiden Themen – auf den non-formalen Bereich entfällt, ist sowohl den kommunalen Zuständigkeitsbereichen, aber auch der Tatsache geschuldet, dass non-formale Bildungsangebote verstärkt den Rückgang formaler (Schul-)Bildung in den beiden Themenbereichen kompensieren. Zugleich gehen diese non-formalen Angebote allerdings häufig mit einer sozioökonomischen Ungleichverteilung der Teilnehmenden einher.

 

Warum politische Bildung ein Thema für Kommunen ist ...

Hintergrund: Bedeutung politischer Bildung 

Politische Bildung soll angesichts von „Megatrends“ wie Klimawandel, Flucht und Krieg sowie zahlreicher Herausforderungen für die Demokratie in Deutschland wie Islamismus oder Rechtsextremismus eine Vielzahl gesellschaftlicher Funktionen erfüllen, darunter (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 2020):

Speziell bei der Demokratiebildung wird davon ausgegangen, dass sie nicht nur das Verständnis für politische Strukturen und Prozesse unterstützt, sondern vor allem aktive Beteiligung und Mitgestaltung fördert (Biedermann und Reichenbach 2009, S. 876; Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Bayern 2021a, S. 1). Damit diese Funktionen erfüllt werden können, muss politische Bildung in „sozialen Räumen“ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 2020, S. 49) stattfinden, die durch das Zusammenwirken von individuellen Handlungen und gesellschaftlichen Strukturen bzw. Institutionen getragen werden – dies umfasst traditionelle Lernorte wie KiTa und Schule, erstreckt sich aber auch auf Protestformen und Angebote der Kinder- und Jugendarbeit (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) 2020, S. 49–67). Soziale Räume sind nach diesem Verständnis folglich nicht nur von topografisch zu lokalisierenden Bildungsorten abhängig. Sie lassen sich zudem nach bestimmten Dimensionen (freiwillig vs. unfreiwillig; Grad der Institutionalisierung) unterscheiden. Das hohe Potenzial politischer Bildung bereits im Kindesalter zeigt auch die Forschung, so z. B. Abendschön et al. (2022) mit einer Studie zur projektbezogenen Demokratieförderung in Grundschulen.

Kommunen sind wichtige Orte der politischen Bildung, denn in kommunalen Kontexten wirken nicht nur spezifische Effekte der politischen Bildung, sondern Kommunen können auch gezielt als Akteur der politischen Bildung auftreten. Die Abbildung 3 stellt diese beiden Perspektiven zusammenfassend gegenüber.

 

POLITISCHE BILDUNG IN KOMMUNEN

Kommunen als Ort
politischer Bildung

 

  • Politische Bildung unterstützt die Wahrnehmung von Grundrechten der Bürgerinnen und Bürger vor Ort​.
  • Politische Bildung schafft Verständnis für kommunalpolitische Entscheidungsprozesse​.
  • Politische Bildung ist die Grundlage für die Einbindung der lokalen Zivilgesellschaft in demokratische Prozesse.

Kommunen als Akteur politischer Bildung

 

  • Kommunen koordinieren Angebote der politischen Bildung​.

  • Kommunen stärken politische Bildung durch Partizipationsmöglichkeiten auf
    kommunaler Ebene (z. B. konsultative Bürgerbefragungen, Jugendparlamente).

 
 

Welche Herausforderungen sich aus der Bedeutung politischer Bildung für Kommunen ergeben und mit welchen Handlungsansätzen Kommunen diesen Herausforderungen begegnen können, ist in Tabelle 2 zusammenfassend dargestellt. Hierbei ist für Kommunen auch zu bedenken, dass rechtliche Vorgaben für die politische Bildung auf Bundes- und Länderebene einen Großteil der Rahmenbedingungen der politischen Bildung in Deutschland darstellen (Kalina 2014, S. 146-154).

Hierbei wird deutlich, dass sowohl die Herausforderungen als auch die Handlungsansätze in der grundlegenden Arbeit des datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements angesiedelt sind und sich spezifische Ansätze für das Bildungsmonitoring erst aus diesen grundständigen Aufgaben ergeben können.

Tabelle 2: Herausforderungen und Handlungsansätze der Gestaltung kommunaler politischer Bildung; zusammengefasst nach Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Bayern (2021a, S. 2–3).

... und welche Formen politischer Bildung in Kommunen bearbeitet werden können

Kommunen sollten sich der Unterscheidung der Disziplinen Politikdidaktik und Demokratiepädagogik im Hinblick auf ihre inhaltliche Ausrichtung, aber auch ihre Bildungsberichterstattung bewusst sein und bestenfalls klären, welche Form(en) der politischen Bildung verfolgt, gefördert und dokumentiert werden soll(en).

Politikdidaktik

  • vermittelt Demokratie als Herrschaftsform
  • eher im Fokus infrastruktureller und institutioneller Förderung, z. B. projektungebundene Förderung von Organisationen der außerschulischen politischen Jugendbildung
  • in den vergangenen Jahren deutlich weniger gefördert als demokratiepädagogische Projekte (z. B. „Demokratie Leben“)  (Waldmann 2020)

Demokratiepädagogik

  • vermittelt Demokratie als Lebensform
  • fokussiert die Integration bürgerschaftlichen Engagements in die kommunale Bildungslandschaft und in formale Bildungsinstitutionen (Klein und Schwalb 2014)
  • eher im Fokus projektförmiger (statt infrastruktureller) Förderung; durch das Übergewicht projektförmiger Förderungsstrukturen in den vergangenen Jahren entsteht so auch ein Übergewicht demokratiepädagogischer Konzepte zu Ungunsten der Politikdidaktik (Waldmann 2020)

Kulturelle Bildung in Kommunen

Hintergrund: Bedeutung kultureller Bildung

Die gesellschaftliche Bedeutung kultureller Bildung äußert sich – neben Fragen des Bildungssystems insgesamt (Fuchs 2001, S. 1-3) – laut einer internationalen Expertenumfrage in drei Aspekten (Ijdens 2016, S. 1-2):

  1. Zugang zu kultureller Bildung
  2. Qualität der kulturellen Bildung (u. a. konkretisiert in Standards und Trainings)
  3. Forschung zu kultureller Bildung

Die Interdisziplinarität des allgemein noch recht jungen Forschungsfelds der kulturellen Bildung ist zugleich Vorteil und Problem: Unterschiedliche Paradigmen und Methoden bieten nicht nur innovative und für Kommunen adaptierbare Zugänge, sondern sorgen zugleich für eine noch unübersichtliche Forschungslandschaft (Timm et al. 2020; Unterberg 2023).

Seit Langem ist bekannt, dass Sozialisationsfaktoren in der Familie einen Einfluss auf kulturelle Praktiken und damit auch einen Einfluss auf Leistungen in der Schule haben. Auf diese Art von sozialer Ungleichheit können Angebote der kulturellen Bildung in der Schule ausgleichend wirken, sodass die Bedeutung kultureller Bildung in Deutschland vor allem unter dem Aspekt der Chancengerechtigkeit diskutiert wird (Weishaupt und Zimmer 2013, S. 84). Darüber hinaus wird kulturelle Bildung im Allgemeinen angesehen als Motor für:

  • sozialen Zusammenhalt
  • Demokratiebildung
  • digitale Teilhabe
  • politische Beteiligung
  • die Verhinderung von Radikalisierung

Vor dem Hintergrund eines stetigen Rückgangs der kulturellen schulischen Bildung und dem zukünftigen Recht auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder wird davon ausgegangen, dass die außerschulische kulturelle Bildung bzw. die kulturelle Bildung im Ganztag – bei der die Kommune eine zentrale Rolle spielt – an Bedeutung gewinnt (Deutscher Bundestag 02.10.2021; Fobel und Kolleck 2022, S. 1–2). Speziell der kulturellen Bildung wird zugeschrieben, diverse Qualitätskriterien der Ganztagsschulbildung – Partizipation, Freiwilligkeit, eine gute Beziehung zum beteiligten Personal – besonders gut erfüllen zu können (Hübner 2022). Allerdings ist die Einschätzung, dass kulturelle Bildung dazu in der Lage ist, soziale Probleme zu lösen, gemäß einer internationalen Expertenbefragung nur sehr wenig verbreitet (Ijdens 2016, S. 25–26).

Im Bereich der kulturellen Bildung sind Kommunen Kernverantwortliche und zentrale Gestalter der kulturellen Infrastruktur (Liebau und van Hooven 2018, S. 66). In den vergangenen Jahren haben sich nicht nur die kommunalen Kulturausgaben stetig erhöht, sondern stellen mit knapp 40 Prozent im Vergleich zu den Ausgaben der Länder und des Bundes auch den größten Anteil der öffentlichen Kulturausgaben dar (Ade et al. 2022, S. 25).

Kulturelle Bildung kann in Kommunen z. B. dem Kultur- oder Bildungsbüro, aber auch dem Jugendamt zugeordnet sein. Doch obwohl die kulturelle Bildung zahlreiche Verbindungen zu anderen Bildungsbereichen aufweist und vor dem Hintergrund ihrer Bedeutung als „Instrument von Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung“ eine ressortübergreifende Aufgabe darstellt (Engelmann und Nestler 2022), müssen Querschnittsperspektiven auf kommunaler Ebene oft erst einmal hergestellt werden. Dies kann erfolgen durch:

  • Erarbeitung und Präsentation von Mehrwerten
  • Reflexion und Präsentation des Erfolgs konkreter Projekte
  • kommunalpolitische Beschlüsse
  • koordinierende Stellen und
  • funktionsfähige Netzwerke aus Bildungs-, Kultur-, Sozial- und Jugendarbeits- sowie Verwaltungsakteuren (Kelb 2022; Schorn 2022).

Hierbei sind die unterschiedlichen Interessen und Ziele der einzubindenden Akteure zu bedenken: So steht z. B. bei Kulturinstitutionen meist die Kulturproduktion im Mittelpunkt, während die kulturelle Bildung für sie eher eine Randaufgabe darstellt (Rehm 2022).

Die Kommune ist Träger „klassischer“ Kultureinrichtungen wie des Theaters, der Musikschule, des Konzerthauses oder der Bibliothek und somit für die Planung und Pflege der Infrastruktur sowie die Koordination zwischen formalen und non-formalen Angeboten verantwortlich. In ihrer Beschäftigung mit dem Thema Kultur spiegeln sich zudem regionale Unterschiede wider: Kulturelle Bildung ist z. B. in ländlichen Regionen vor allem durch Freiwilligenaktivität geprägt, oft selbst finanziert durch Mitgliedsbeiträge und abhängig von der Erreichbarkeit des Angebots (Fobel und Kolleck 2022, S. 4). Angebote der Jugendarbeit sollen z. B. vor dem Hintergrund räumlich differenzierter Ressourcen und Bedingungen zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse beitragen.

 

Gestaltung kultureller Bildung: Anknüpfungspunkte für Kommunen

Die konkreten Herausforderungen der Kommunen und ihre möglichen Handlungsansätze hinsichtlich der Gestaltung kultureller Bildung sind in Tabelle 3 zusammenfassend dargestellt. Wie bei der politischen Bildung wird auch für die kulturelle Bildung deutlich, dass die Herausforderungen und Handlungsansätze in vielerlei Hinsicht die Grundlagenarbeit des datenbasierten kommunalen Bildungsmanagements ansprechen.

Tabelle 3: Herausforderungen und Handlungsansätze der Gestaltung kommunaler kultureller Bildung; zusammengefasst nach Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Bayern (2021b, S. 2–3).


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